Cloud Software: Ab in die Datenwolke

Cloud Software: Ab in die Datenwolke

Bedenken gegen Cloud Software hielten sich lange. Insbesondere im HR-Bereich. Immerhin geht es hier um die Verwaltung sensibler und personenbezogener Daten. Doch die Cloud kommt in den HR-Abteilungen an. (Bild: Sergey Niven / dollarphotoclub) Langsam aber sicher. Studien belegen das.

Mehr als ein Viertel deutscher HR-Abteilungen hostet ihre Daten nicht mehr lokal, sondern in einer Datenwolke alias Cloud. Das ergab eine Studie des IT-Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) im Auftrag der Promerit HR + IT Consulting AG. Den Fragebogen zur Untersuchung füllten 190 Entscheider aus HR und IT in Unternehmen mit mehr als 2.500 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.

Cloud Anbieter: Mehr Transparenz in den Geschäftsprozessen

Das zeigt: Offenkundig büßt die Angst vor Datenunsicherheit und -spionage seinen Schrecken nach und nach ein. Und
das aus gutem Grund. Denn die deutsche HR Szene hat ihre Bedenken bestimmt nicht einfach so über Bord geworfen. Vielmehr haben Cloud-Dienstleister reagiert und gewähren inzwischen deutlich größere Transparenz bezüglich ihres Datenhostings als noch vor einiger Zeit.

Spätestens seit den Enthüllungen von Whistleblower Eward Snowden weiß man um die Bedeutung von Cloud-Servern, die innerhalb der EU-Landesgrenzen stehen. Denn diese unterliegen den strengen Sicherheitsauflagen der EU und sind deshalb nicht gefährdeter vor Hacking-Angriffen als die klassischen On-Premise-Lösungen. Jeder Datentransfer über EU-Landesgrenzen hinweg kann hingegen aufgrund anderer gesetzlicher Richtlinien angezapft werden.

Cloud Software: DIN Normen geben Sicherheit

Die Anbieter von HR-Cloudlösungen haben diese Ängste nicht nur sehr Ernst genommen, sondern auch darauf reagiert, indem sie die Standorte ihrer Server offengelegt haben. Im Verbund mit Rechenzentrumsbetreibern gelingt es ihnen zunehmend, das Vertrauen der Anwender in die moderne Technologie zu stärken. Mitunter, indem auch die Sicherheitsstandards weiter erhöht wurden.

Rechenzentren, die etwa mit Gütesiegeln nach den DIN Normen ISO 27 000 und ISO 20 000 aufwarten können, bieten Kunden maximale Zuverlässigkeit, dass die ausgelagerten Daten und Systeme unter den höchsten Sicherheitsstandards gehostet und gewartet werden.

Laut IDC-Studie werden sich Cloudlösungen im HR Bereich schon in naher Zukunft zu einer Standardoption  im deutschsprachigen Raum gemausert haben. Insbesondere Talentmanagement- und Recruitingsoftware bescheinigen die Experten besonderes Cloud-Potenzial. „Grundlagen-Themen der HR-IT wie die Personalstammdatenpflege oder Payroll verbleiben dagegen zunächst eher in On-Premise-Anwendungen“, heißt es in der Studie. Die HR-IT der Zukunft sei aller Wahrscheinlichkeit nach ein Hybrid-Modell – die relative Mehrheit der Umfrageteilnehmer von 45 Prozent erwarte einen Mix aus On-Premise-Software und Cloudlösungen.

Cloud Software: Größere Nähe zwischen HR und IT

cloud

Foto: contrastwerkstatt / Dollarphotoclub

„HR und IT werden dabei enger als bislang zusammen arbeiten müssen, um Stammdaten sauber zu definieren, Sicherheitsfragen zu klären und Personalprozesse anzupassen. Ohnehin sehen wir, dass konsistente Stammdatenhaltung zu einem bisher unterschätzten Erfolgsfaktor wird“, so Axel Singler, studienverantwortlicher Partner bei der Promerit HR + IT Consulting AG.

Dass es tatsächlich so kommen könnte, legt auch eine Studie aus dem Hause SoftSelect nahe. Im HR-Bereich scheint der Durchbruch für das Cloudgeschäft nach einem eher zögerlichen Start endgültig geschafft – konstatieren die Autoren. „Im Vergleich zu Nordamerika und Asien aber auch anderen europäischen Ländern wie England und Frankreich gilt der deutschsprachige Markt als sehr zurückhaltend und skeptisch, was die Akzeptanz von Cloudlösungen betrifft“, heißt es in dem Papier.

 

HR-Software Vergleich DOWN ALTE

Doch die Vorteile der Softwareanwendungen liegen auf der Hand. „Cloudanwendungen punkten mit innovativen Konzepten, einfacher Benutzerführung und sind beispielsweise hinsichtlich der mobilen Nutzbarkeit klassischen inhouse installierten Client-Server-Anwendungen im Vorteil.“

Ein weiterer Grund, warum HR Verantwortliche ihre Scheu vor IT im Allgemeinen und Cloudlösungen im Besonderen nach und nach ad acta legen, ist der demographische Wandel. Der Wind auf dem Arbeitsmarkt hat sich massiv gedreht und bläst Personalern und Recruitern von vorn ins Gesicht. Und das massiv. Der langjährige Rückenwind beim Recruiting hat besonders in den Bereichen IT und Ingenieurwesen abgeflaut.

Cloud Software lässt mehr Zeit für die Ressource Mensch

Was folgt daraus? Ganz einfach: HR Experten benötigen mehr Zeit für die Ressource Mensch. Talente finden, ansprechen und binden. Das ist inzwischen Hauptaufgabe vieler HR Abteilungen. Cloud-Lösungen können hier eine wertvolle Unterstützung sein. Aus dem einfachen Grund, weil sich mit ihnen effektiver und zeitschonender arbeiten lässt. Überdies ist sie intuitiv bedienbar.

cloud

Foto: ldprod / Dollarphotoclub

„Im Gegensatz zur reinen Fachabteilungssoftware orientiert sich HR aus der Cloud hinsichtlich Geschwindigkeit, Benutzeroberfläche und Design an kommerziellen Software-Standards, die Nutzer beispielsweise auch von gängigen Onlineshopping-Lösungen kennen“, konstatiert HR-Tech Beraterin und Bloggerin Eva Zils. „Nutzerfreundlichkeit und -erfahrung stehen im Vordergrund und ermöglichen Mitarbeitern einen einfachen Zugang zu allen für sie relevanten HR-Themen. Denn vor allem die internetaffinen Generationen Y und Z erwarten Tools, die genauso mobil, flexibel und einfach in der Handhabung sind wie sie es von anderen Anwendungen im Internet kennen.

Hinzu kommt, dass anders als bei klassischen On-Premise-Lösungen cloudbasierte Software organisch mit den Kundenanforderungen wächst, beschreibt die Expertin in ihrem Blog weiter. „Im Vergleich zu klassischen Software Lösungen, die in der Regel bis zu zwei Jahre auf dem gleichen Stand verharren, stehen in der Cloud Updates viermal im Jahr zur Verfügung. Der Kunde kann entscheiden, ob und wann die Release-Updates aktiviert werden.“

Cloud: Nix für den Mittelstand? Falsch!

Noch schätzen aber insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen die Notwendigkeit, in ihrem Unternehmen Cloudsoftware zu implementieren als nicht besonders hoch ein. Und so werden hier nach wie vor die Lohnabrechnungen, Urlaubs- und Personaleinsatzplanung mit Excel-Tabellen gehandhabt. Doch das ist eine  Fehleinschätzung! Denn gerade in KMU’s ist es besonders bedeutsam, die Zeit für administrative Tätigkeiten zu reduzieren, um mehr Luft für die strategische Planung zu haben. Wie sonst können die Kleinen mit den größeren Wettbewerbern mithalten?
 

HR-Software Vergleich DOWN ALTE

Ein Punkt, den auch die Experten der Hamburger Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting monieren. Und das mit deutlichen Worten: Der Mittelstand vernachlässige das Personalmanagement – so die Prognose. „Die Prozesse sind nicht professionell optimiert, so entstehen Schleifen, die man sich sparen kann“, sagt Sven Fitz, Principal Consultant bei Steria Mummert, in einem Gespräch mit pressetext. „Viele Personaler kennen die Mitarbeiter, die sie zu betreuen haben, häufig nur von der Faktenlage vom Schreibtisch. Man hört und sieht sie nicht.“

Doch das sei fernab guter Personalarbeit. Fitz fordert Personalabteilungen daher – im übertragenen Sinn – zu mehr „Lautstärke“ auf. Die Arbeit von HR müsse in der ganzen Firma deutliche Spuren hinterlassen. Aus ihren Marktbeobachtungen schließen die Berater von Steria Mummert, dass zwei Drittel der Prozesse optimiert werden könnten. Lassen wir das an dieser Stelle mal so stehen. Doch in der Gesamtschau sind sich die zitierten HR Experten offenkundig einig: Was die Prozessoptimierung angeht, ist noch viel Luft nach oben – vor allem in der Datenwolke.(Bilder: Dollarphotoclub)


Kostenlose Checkliste
Benötigt Ihr Unternehmen eine HR-Software? Dann hilft Ihnen unsere kostenlose Checkliste zu diesem Thema weiter.
Laden Sie diese hier herunter>>>
Kategorien: Fachbeiträge
Tags: cloud, hr, HR Software, it

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

Kommentare

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind markiert*