Der optimale Bewerbermanagement Prozess: 5 Todsünden, die Sie vermeiden sollten

Der optimale Bewerbermanagement Prozess:  5 Todsünden, die Sie vermeiden sollten

Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht. Bewerber ist nicht mehr das Talent, sondern der Arbeitgeber. Setzt dieser nicht alles daran, einem Kandidaten einen optimalen Bewerbermanagement Prozess zu kredenzen, wird er kaum Erfolg haben, einen potenziellen Mitarbeiter für sich zu begeistern. Worauf es dabei ankommt.

Warum ein optimaler Bewerbermanagement Prozess immer wichtiger wird 

„Über 90 Prozent der Arbeitgeber haben laut den Recruiting Reports des Instituts for Competitive Recruiting schon seit einigen Jahren Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Stellen“, konstatierte ICR-Director Wolfgang Brickwedde beim Candidate Experience Symposium 2017 im Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main. „Arbeitgeberimage oder Employer Branding sind auf Platz eins der wichtigsten Themen für Recruitingabteilungen.“

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Beides steht und fällt zum Beispiel mit einem optimalen Bewerbermanagement Prozess. Die Frage ist nur: Wie können Arbeitgeber ihren Bewerbermanagement Prozess so optimieren, dass seitens der Kandidaten keine Wünsche offenbleiben?

Darauf erhielten die Besucher des Symposiums erste Antworten. Bevor wir aber in Medias Res gehen, noch ein kurzer Überblick, in welchen Branchen und Sektoren es derzeit auf dem Arbeitsmarkt am meisten brennt.

Es brennt auf dem Arbeitsmarkt

Dazu liefert eine aktuelle Erhebung der ManpowerGroup Anhaltspunkte. Der Personaldienstleister befragt jährlich Arbeitgeber zum Fachkräftemangel. 2016 gaben 49 Prozent der 42.000 Studienteilnehmer aus 42 Ländern an, Schwierigkeiten zu haben, Fachkräfte zu finden.

Das ist der höchste Wert seit 2007. Die größten Besetzbarkeitsprobleme herrschen in den Bereichen: Handwerk, Vertrieb, Ingenieurwesen, Management, IT und Medizin. Weitere werden den Prognosen von Arbeitsmarktforschern zufolge auf absehbare Zeit folgen.

Umso erstaunlicher, dass ein großer Teil der Arbeitgeber noch nicht alles dafür getan hat, gegenüber Stellenanwärtern für einen optimalen Bewerbermanagement Prozess zu sorgen. Im Gegenteil empfinden Talente das Bewerbermanagement vieler Arbeitgeber als zu kompliziert, zeitaufwändig und nicht bewerberfreundlich.

Eine Bewerbungsstudie von indeed offenbarte jüngst zum Beispiel, dass 42 Prozent der befragten Kandidaten schon einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen haben, weil ihnen dieser zu komplex erschien. Fast jeder vierte Bewerber hat sogar schon einmal eine Stelle ausgeschlagen, weil er oder sie sich im Bewerbungsprozess nicht genug wertgeschätzt fühlte.

„Der zentrale Touchpoint ist laut Daten aus Candidate Experience Studien die Karrierewebsite – das finden die Bewerber in der Jobsuchphase am wichtigsten“, so ICR-Chef Brickwedde.

Applicant Tracking System: Welche Bewerbermanagement Software gibt es?

Dabei wäre es technisch gesehen heute kein Ding der Unmöglichkeit mehr ist, im Handumdrehen eine professionelle Karrierewebseite zu erstellen.

Zahlreiche HR Software Lösungen machen Recruitern das Leben inzwischen leichter. Hierüber können fertige und frei anpassbare Karrierewebsites per Schnittstelle schnell und einfach in den Unternehmensauftritt integriert werden.

Es finden sich die unterschiedlichsten Angebote von Softwarespezialisten wie:

(Weitere Anbieter finden Sie in unserer Rubrik E-Recruiting / Bewerbermanagement)

Bewerbermanagement Software: Auf die richtige Bedienung kommt’s an

Doch in dem Punkt waren sich die Akteure des  Candidate Experience Symposiums einig: Das beste Aplicant Tracking System (ATS) nutzt nichts, wenn es nicht richtig ausgewählt wurde oder angemessen bedient und mit den perfekten Inhalten bespielt wird.

Worauf es dabei im Bewerbermanagement Prozess vor allem ankommt, legte Henner Knabenreich, Geschäftsführer von knabenreich consult, Beratung für digitales Personalmarketing und Kopf des Blogs personalmarketing2null, in einem Workshop dar.

Er arbeitete mit den Teilnehmern ein Ranking der 5 Todsünden heraus, mit denen eine schlecht gestaltete Karrierewebseite jedem Bewerbermanagement Prozess von vornherein den Gar ausmacht:

1. Todsünde im Bewerbermanagement Prozess: Mangelnde Auffindbarkeit

Ein ganz zentraler Punkt für eine erfolgreiche Karrierewebseite ist – natürlich – deren Auffindbarkeit im Netz und auf der Unternehmenshomepage. Doch hier unterlaufen Arbeitgebern immer noch viele Fehler. Diese würden augenscheinlich, würden Recruiter einmal den Praxistest machen und versuchen, sich selbst beim eigenen Unternehmen zu bewerben.

Vielen würde zum Beispiel auffallen, dass es gar nicht so einfach ist, die Karriereseite auf der Unternehmenshomepage zu finden. Ideal wäre eigentlich ein Karrierebutton auf der ersten Seite. Stattdessen ist der Link zur Karrieresite oft überhaupt nicht auf Homepage zu finden, sondern nur auf einer Unterseite.

Oder er ist so klein gestaltet, dass er leicht übersehen wird. Beides ist schlecht: Braucht ein Talent mehrere Minuten, bis es den winzigen Link zur Karrierewebseite gefunden hat oder muss es sich durch zig Seiten klicken, verliert der Arbeitgeber von Sekunde zu Sekunde und von Klick zu Klick potenzielle Bewerber.

Also:

  1. Karrierebutton gut sichtbar anbringen
  2. Vielleicht sogar eine Teaserbox zur Karriereseite auf der Startseite unterbringen
  3. Oder den Hinweis auf die Karriereseite gut sichtbar in einem rotierenden Content-Karussell auf der Startseite unterbringen

Ziel ist es, dass der Stellensuchende ganz schnell zu den relevanten Infos gelangt, nach denen er sucht. Ein bisschen Service muss schon sein!

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2. Todsünde im Bewerbermanagement Prozess: Keine klare Zielgruppenausrichtung

Hat sich der Karriereinteressierte erfolgreich den Weg zur Karrierewebseite gebahnt, lauert oft schon die nächste Enttäuschung: An wen wendet sich der Arbeitgeber mit seinen Stellenangeboten eigentlich?

Positiv ist zwar durchaus zu bewerten, dass so manches Unternehmen inzwischen auf eine gut strukturierte Karriereseite setzt und in voneinander getrennten Informationsbereichen zum Beispiel gebündelte Informationen für die Gruppen „Schüler, Studenten, Absolventen“, „Berufserfahrene“ oder „Experten“ bereit stellt.

Das ist nett gemeint. Doch leider sind diese Rubriken in vielen Fällen viel zu allgemein. Viel besser wäre es, die Kategorien konkret zu benennen – zum Beispiel mit den konkreten Ausbildungsberufen, die im Unternehmen angeboten werden sowie den jeweiligen Titeln für Management- und Fachkarrieren. So fällt der Aufwand bei der Informationsbeschaffung für das einzelne Talent noch einmal deutlich geringer aus.

3. Todsünde im Bewerbermanagement Prozess: Mangelnde Informationen über den Arbeitgeber

Viele Arbeitgeber gehen auf ihrer Karrierewebseite mit den Informationen über das Unternehmen nicht gerade hausieren. Mancher Bewerber findet statt einer Beschreibung der Unternehmenswerte, der Kultur, den Weiterbildungsmöglichkeiten und Karriereaussichten zum Beispiel nur ein schlichtes Kontaktformular, auf dem er seine Daten hinterlassen kann.

Andere werfen mit inhaltsleeren Worthülsen um sich á la „motiviertes Team“, spannende „Work Life Balance-Angebote“ und „vielfältige Karriereaussichten“. Doch was konkret dahinter steckt, erklären sie nicht.

Das ist wenig überzeugend. Stattdessen sollten Arbeitgeber herausarbeiten, was sie von anderen abhebt und das auf der Karrierewebseite ansprechend aufbereiten. Zum Beispiel durch Blogeinträge und ergänzende Videos mit Testimonials aus dem Unternehmen.

Je genauer die Karriereseite einem Karriereinteressierten einen Eindruck vermittelt, wie es im Unternehmen zugeht, wie die Arbeitsplätze aussehen, wie die Kollegen ticken, welche Möglichkeiten für den einzelnen bestehen, umso größer die Chance, dass dieser letztlich auch auf den Bewerben-Button klickt. Auch die Passgenauigkeit fällt in der Regel höher aus.

4. Todsünde im Bewerbermanagement Prozess: Mangelnde Authentizität

Karriereinteressierte wollen sich über die Homepage einen möglichst konkreten Eindruck vom Unternehmen verschaffen. Wer dann beispielsweise statt echten Mitarbeiterfotos austauschbare Stockfotos oder Werbevideos mit Models dort unterbringt, wird keine Punkte sammeln.

Stattdessen gilt:

  • Echte Mitarbeiterfotos
  • Echte Impressionen aus dem Unternehmen – per Bild oder Recruitingvideo
  • Echte Testimonials aus den Unternehmen im Recruitingvideo, die authentisch und frei erzählen und nicht auswendig gelernte Sätze herunterleiern

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5. Todsünde im Bewerbermanagement Prozess: Schlechter Bewerbungsprozess

Selbst, wenn alle bisherigen Punkte genau beachtet wurden, kann im Bewerbungsprozess über die Webseite noch vieles schiefgehen. Nicht selten sind zum Beispiel Bewerbungsformulare viel zu lang und brechen dann auch noch zweimal aus technischen Gründen ab – ohne jede Möglichkeit, zwischen zu speichern. Dann springen Kandidaten schnell ab.

Doch das muss nicht sein. Denn die Bewerberformulare moderner HR Software Lösungen sind in der Regel frei definierbar, man muss sich nur die Mühe machen, das auch zu tun.

Des Weiteren bieten sie auch in der Regel die viel komfortablere Möglichkeit zur One-Click-Bewerbung an. Hier kann der Kandidat seine Profilinformationen aus einem Businessnetzerwerk wie LinkedIn oder Xing per Mausklick schnell und einfach an den Recruiter übermitteln. Die Möglichkeiten sind da, man muss sie nur kennen und nutzen! (Bild: © detailblick-foto/Fotolia.com)

Kategorien: Fachbeiträge

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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