Direktansprache: Revolutionieren Chatbots das Active Sourcing?

Direktansprache: Revolutionieren Chatbots das Active Sourcing?

Im Active Sourcing, der Direktansprache von Kandidaten, tut sich etwas. Die Palette der HR Software Anwendungen, die Recruiter unterstützen, ihre Traumkandidaten zu erreichen, reicht von speziellen Sourcing Tools über zielgerichtete Anzeigen auf Social Media Portalen bis hin zu Chatbots, die Talenten die Bewerbung erleichtern. Was hinter all dem steckt und wie gerade die neuesten Technologien das Recruiting verändern könnten…

Direktansprache von Kandidaten – warum sie boomt

Recruiter, die heute nach Fachkräften suchen, stoßen an Grenzen. Noch geht die Bundesagentur für Arbeit zwar nicht so weit, von einem flächendeckenden Fachkräftemangel zu sprechen. Dass sich der Arbeitsmarkt in vielen Bereichen aber vom Arbeitgeber- zum Bewerbermarkt gedreht hat – daran gibt es keinen Zweifel.

HR-Software Vergleich UP

Die Schwierigkeiten, Kandidaten zu finden, haben in den letzten Jahren nachweislich zugenommen. Betroffen sind vor allem technische Berufsfelder sowie Gesundheits- und Pflegeberufe. Etwas entspannt hat sich in diesem Jahr die Engpasslage zwar in den Berufsfeldern Elektrotechnik, Ingenieurwesen für Ver- und Entsorgung sowie Informatik. Neu hinzugekommen ist aber ein Mangel an Experten in der IT-Anwenderberatung und der Pharmazie.

Aufgrund der immer schlechteren Verfügbarkeit von Fachkräften rechnen Unternehmen auch in Zukunft mit ansteigenden Besetzbarkeitsproblemen. Laut der Studie Recruiting Trends, die die Universität Bamberg jährlich mit dem Karriereportal Monster veröffentlicht, prognostizieren alle Top-1.000-Unternehmen für 2017 eine steigende Zahl an freien Stellen, wobei bis zu 35,6 Prozent der Vakanzen nur schwer zu besetzen sein werden. Bei 5,6 Prozent der offenen Stellen halten es die Betriebe sogar für unmöglich, passende Kandidaten zu finden. (Grafik: Recruiting Trends 2017, Universität Bamberg)

Umbruch auf dem Arbeitsmark erfordert Umdenken im Recruiting

Dieser Umbruch auf dem Arbeitsmarkt hat die Personalbeschaffung verändert. Es bedarf neuer Vorgehensweisen im Recruiting. Denn die Post- and Pray-Mentalität der letzten Jahre geht nicht mehr auf: Vorbei die Zeiten, in denen es ausreichte, eine Stellenanzeige zu schalten und mit im Schoß gefalteten Händen abzuwarten.

Direktansprache

Groß im Kommen ist zum Beispiel das Active Sourcing, also die Direktansprache von Kandidaten. Laut einer Studie des Heidelberger Instituts for Competetive Recruiting (ICR) ist diese für fast 80 Prozent der Betriebe inzwischen zu einem Top-Thema im Recruiting avanciert.

Den Möglichkeiten der Direktansprache von potenziellen Talenten sind  praktisch keine Grenzen gesetzt. Sie kann überall geschehen: In der U-Bahn, bei Messen, in der Kantine, bei Events. Oder eben online über Soziale Netzwerke oder Businessportale wie LinkedIn und Xing. Letztes manuell zu erledigen, ist für Recruiter allerdings eine leidliche Arbeit.

Active Sourcing Tools sind der Shooting Star der HR Software

Das haben auch Unternehmen erkannt und so sind IT-Lösungen, die Personalsuchende bei der Direktansprache von Kandidaten unterstützen „der Shooting Star“ unter den HR Software Anwendungen, die es auf dem Markt gibt. Ihre Verbreitung steigerte sich laut ICR innerhalb eines Jahres um mehr als das Doppelte und stieg von 27 auf 55 Prozent an.

Sourcing heißt zum Beispiel eines der Zauberworte bei der Direktansprache. Die entsprechenden Tools machen Recruitern  bereits seit geraumer Zeit das Leben leichter. Vorreiter dieser Technologien waren die Marken Talentwunder und TalentBin. Inzwischen gibt es zig Software-Anbieter, die auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind und Sourcing-Tools in ihre Bewerbermanagement Systeme integriert haben.

Wie funktioniert Sourcing?

Dabei handelt es sich um eine Art Suchmaschine für Personaler. Die entsprechenden Lösungen durchsuchen ähnlich wie Google mit nur einem Suchauftrag mehrere (Lebenslauf-)Datenbanken, soziale Medien oder Businessnetzwerke. Die semantische Suchtechnik der Anwendungen durchkämmt das Netz nach Informationen nach der Booleschen Logik, legt aber andere Parameter zugrunde als Google.

Auf diese Weise dringt sie in Nischen vor, die bei klassischen Search Engines durchs Raster fallen. Dazu gehören Spezialcommunities, in denen sich rare Talente tummeln, um sich fachlich auszutauschen. Dabei hinterlassen sie häufig auch Informationen über ihren Werdegang. Diese nehmen die Sourcing Tools auf.

Was ist Targeting und wie funktioniert es?

Es gibt aber noch ein zweites Zauberwort, das Recruiter seit einiger Zeit beim Active Sourcing verzückt: Targeting. „Targeting (engl. target = Ziel) bezeichnet die genaue Zielgruppenansprache im Onlinemarketing. (…) Über moderne Technologien ist es im Internet möglich, eine Onlinekampagne zielgruppengenau zu steuern. Hierfür stehen dem (Recruiter) zahlreiche Techniken der Zielgruppeneingrenzung zur Verfügung.“ (Quelle: Onlinemarketing-Praxis)

Targeting kann zum Beispiel perfekt für die automatisierte Direktansprache über die Sozialen Medien genutzt werden. Externe Dienstleister und die sozialen Netzwerke selbst bieten seit geraumer Zeit die Möglichkeit zur Schaltung so genannter Social Job Ads an. Zur Verfügung stehen diese auf Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram.

Das Besondere: Geschaltete Stellenanzeigen werden nicht wahllos an irgendwelche Kandidaten ausgespielt, sondern zielgerichtet an potenzielle Wunschkandidaten. Die Online-Stellenanzeige erscheint dann nur in den Timelines der Facebook- oder Instagram-Nutzer, deren Profil perfekt zu der gesuchten Stelle passt.

Social Job Ad – das Targeting-Wunder bei der Direktansprache?

Dabei werden die gewünschten fachlichen Qualifikationen von einem Algorithmus aus der Stellenanzeige gefiltert, analysiert und Facebook-, Twitter oder Instagram-Nutzer mit dem passendem Profil eruiert. Anschließend wird automatisch ein Facebook- oder Instagram-Post erstellt, der die Highlights der Stellenanzeige beinhaltet.

Eine Verlinkung führt den potenziellen Bewerber auf das Unternehmensprofil des Arbeitgebers von Facebook und zur kompletten Stellenanzeige. Für die Schaltung der Social Job Ads benötigen Recruiter nur eine reguläre Stellenanzeige und eine Unternehmensseite auf Facebook – den Rest erledigt der Algorithmus.

Die Chance, passgenaue Kandidaten anzusprechen, steigert sich damit für Personalsuchende exorbitant. Zumal sich auch der Bewerbungsprozess für Talente erheblich vereinfacht hat. Neuester HR Software sei Dank!

Vereinfachter Bewerbungsprozess verzückt Kandidaten

Das Prinzip: Über einen Bewerben-Button in einer Stellenanzeige gelangt ein Talent  nicht wie gewohnt auf ein sperriges Online-Formular, sondern kommt in Kontakt mit einem Chatbot.

Ein Chatbot ist ein Roboter für Kommunikationsaufgaben. Diese Kommunikationsroboter oder Chatbots sind keine Maschinen aus Metall, sondern eine Software oder ein Dienst aus der Cloud. Verbraucher treffen zum Beispiel inzwischen regelmäßig auf Chatbots, wenn sie in einem Online-Shop oder Support-Forum Fragen stellen.

Verschiedene Websites bieten neben der klassischen FAQ-Liste zum Beispiel inzwischen ein interaktives Dialogfenster an, in das man seine Fragen wie in einen Messenger eingeben kann. Die Antworten kommen dann nicht von Mitarbeitern aus einem Call Center oder aus dem Help Desk, sondern werden von dem virtuellen Kommunikationsroboter, dem Chatbot, gegeben.

Chatbot leitet Bewerber durch die Bewerbung

Bei der Bewerbung eines Talents kann dieses Prinzip ebenfalls eingesetzt werden und funktioniert wie folgt: Der Bewerber beantwortet kurz und knapp relevante Fragen zu seinem Profil.

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Auch hier kommt der Chat rein optisch wie ein Austausch in einem Instant Messenger daher, sodass sich insbesondere junge Kandidaten sofort in einer vertrauten Online-Umgebung befinden, was die Hemmschwelle senkt.

Der Chatbot fragt dann nach und nach die folgenden Daten ab:

  • Name
  • Erfahrungen
  • Bisherige Arbeitgeber
  • Arbeitserfolge
  • Gehaltsvorstellungen
  • Starttermin
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse

Das Besondere: Das Talent kann innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden die wichtigsten Daten zu seinem Profil eingeben, ohne diese wie in einem Anschreiben ausformulieren zu müssen.

Der Chatbot sammelt die Eingaben und bereitet sie für den Recruiter ansehnlich und strukturiert auf. Bei Interesse kann der Recruiter Kontakt aufnehmen und weitere Informationen wie Lebenslauf, Arbeitszeugnisse oder CV anfordern. So geht Recruiting heute. (Bild: charles taylor / Fotolia.com)


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Kategorien: Fachbeiträge

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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