Sourcing: Die Mitarbeitersuche 4.0

Sourcing: Die Mitarbeitersuche 4.0

Zahlreiche HR Software Tools helfen inzwischen zuverlässig bei der aktiven Suche nach passenden Kandidaten. Doch beim so genannten Sourcing gibt es einen kritischen Punkt: Die Stelle, an der der Algorithmus an den Menschen übergibt. 

 

Rund um die Uhr hinterlassen Smartphone- und Tablet-Nutzer auf den Datenautobahnen des World Wide Web Spuren. Das Web vergisst von all dem nichts. Davon profitiert inzwischen auch das Recruiting. Sourcing heißt das neue Zauberwort.

Was ist Sourcing? Eine Definition.

In HR Abteilungen kommt inzwischen verstärkt die entsprechende
HR Software zum Einsatz, wobei unter dem Begriff Sourcing nichts anderes zu verstehen ist, als die gezielte Suche nach qualifizierten Kandidaten.

bewerbermanagement SoftwareNa, gut – ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Um genau zu sein, gibt es zwei Arten von Kandidaten, nach denen Recruiter „sourcen“: Die, die aktiv auf Jobsuche sind und die, die in Sachen Karriere passiv sind, ein gutes Angebot aber nicht ausschlagen würden.

Insbesondere das Recruiting von passiven Kandidaten hat aufgrund des Fachkräftemangels stark zugenommen: Da viele Jobs offen sind und Fachkräfte rar, gehen HR Experten verstärkt direkt auf potenzielle Kandidaten zu und versuchen sie von ihrem Unternehmen zu überzeugen. Das nennt sich dann Active Sourcing: Die Direktansprache des Kandidaten. Und hierfür gibt es inzwischen reichlich HR Software Support.

Sourcing: Großes Potenzial fürs Recruiting

Im Sourcing liegt großes Potenzial. Laut einer LinkedIn Erhebung aus dem Jahr 2015 zählen sich immerhin rund 75 Prozent der Angestellten zu den passiv suchenden Talenten.

Doch es wird zunehmend diffiziler, die richtigen Talente für die richtigen Stellen zu finden. Daher haben sich HR Software Entwickler etwas einfallen lassen, um stressgeplagten Recruitern unter die Arme zu greifen.

Zwar grasen viele von ihnen nach wie vor Businessportale wie Xing oder LinkedIn oder Lebenslaufdatenbanken nach passenden Kandidaten ab, aber es gibt inzwischen auch Tools, die diesen Job für sie erledigen. Und noch mehr Aufgaben übernehmen.

Welche HR Software Lösungen gibt es fürs Sourcing?

So genannte Talentsuchmaschinen wie Talentwunder, OpenWeb, entelo, amazingHiring oder TalentBin suchen das WWW nach bestimmten Suchbegriffen nach passenden Kandidaten ab – und erledigen diesen Job auch in Online-Regionen, in die Recruiter niemals vordringen würden. Zum Beispiel sourcen sie auch in Spezialcommunities wie Github oder Stackoverflow, wo sich rare und begehrte IT Talente tummeln.

Studien belegen, dass Recruiter zunehmend auf die Unterstützung solch smarter Algorithmen angewiesen sein werden, denn das manuelle  Active Sourcing ist nicht nur zeitaufwändig: Was der Roboter in Sekundenschnelle erledigt, dafür braucht der Recruiter in der Regel Stunden, Tage, wenn nicht gar Wochen.

Sourcing in Businessnetzwerken stirbt aus

nerd and notebookHinzu kommt, dass gerade in den schwer zu besetzenden Job-Sparten wie etwa der IT Branche 48 Prozent der Arbeitgeber inzwischen Bedenken haben, „dass Lebenslaufdatenbanken und Karrierenetzwerke infolge der aktiven Suche nach Kandidaten regelrecht überfischt sind“. Das ergab die Studie „Recruiting Trends“ der Universität Bamberg, die alljährlichen beleuchtet, wie sich die Personalbeschaffung entwickelt.

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Und die Furcht vor der potenziellen Genervtheit der Bewerber kommt nicht von ungefähr. Immerhin 3,8 Prozent der Arbeitnehmer sind laut den Experten aus Bamberg regelrecht erbost über penetrante Anfragen.

Active Sourcing: Unseriöses Vorgehen

Tatsächlich werden vor allem IT-Talente in den gängigen Karrierenetzwerken mit Jobangeboten bombardiert, weil insbesondere die unseriösen unter den Personalberatern nach dem Massenprinzip vorgehen und ihre Suche nach Kandidaten nicht auf Fähigkeiten einschränken, sondern jeden anschreiben, der irgendwie passen könnte: Wer in der Suchergebnisliste immer mal wieder ganz vorne erscheint, bekommt also ständig Post.

Ein IT-Spezialist aus Frankfurt, der auch schon des Öfteren in den Fokus geraten ist, sagt: „Ich wundere mich schon, wenn ich Anfragen als Linux-Administrator bekomme, obwohl in meinem LinkedIn-Profil gar nichts von Linux steht.“ Der 50-Jährige kann daher bestens verstehen, dass sich so mancher High Potential in der Konsequenz von den Business-Portalen fern hält.

„Es fällt einfach auf, dass solche Anfragen nicht mit den Fachabteilungen abgesprochen sind, weil solche Fehler nur durch mangelnde Absprache passieren“, hat er beobachtet.

Ist Sourcing wirklich die Lösung?

DatenschutzUnd nun kommen die neuen Sourcing Tools daher, mit ihren diffizilen Analyseverfahren, die das geschriebene und vielleicht irgendwann einmal sogar das gesprochene Wort auswerten. Wird das die „gejagten Talente“ nicht noch weiter verärgern? Macht es die Sache besser, wenn Recruiter ihnen nun mit Suchmaschinen auf die Pelle rücken? Ja!

Denn tatsächlich funktionieren Sourcing Tools umso besser, je konkreter HR Abteilungen die gesuchten Skills definieren. Das heißt also im Umkehrschluss – die moderne Technik sorgt dafür, dass sie tatsächlich nur noch die ein Jobangebot unter die Nase gerieben bekommen, für die sie sich auch wirklich interessieren.

Sourcing: Wenn der Mensch übernimmt

Soweit, so gut. Doch immer wieder passieren Fehler, wenn der Roboter die gefundenen Informationen über vielversprechende Talente an seinen menschlichen HR Kollegen übergibt. Denn der Recruiting-Erfolg steht und fällt auch mit dem Inhalt der Kandidatenansprache. Das wird allerdings häufig viel zu sehr unterschätzt.

Wer jeden Kandidaten mit den immer gleichen Floskeln bedenkt, kann damit rechnen, dass das Talent sehr zügig auf die Löschtaste drückt. Selbst wenn der ausgeschriebene Job bestens zu ihm passt, erweckt doch das Vorgehen des Recruiters den Eindruck, dass es in punkto Firmenkultur keinen „Match“ gibt. Und auch darauf kommt es an.

 
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Bitte kein Copy&Paste-Recruitung

Anders sieht es aus, wenn der Kandidat in dem Anschreiben Bezüge zum eigenen Lebenslauf erkennt. Das zeigt: Der Absender meint wirklich mich! Er hat sich mit meiner persönlichen Vita auseinander gesetzt. 

Und dass eine solch erkennbare Wertschätzung eher auf fruchtbaren Boden fällt, als ein Copy&Paste-Recruitung, liegt auf der Hand. Doch hier besteht noch viel Luft nach oben.

Tatsächlich räumen 30 Prozent der Arbeitgeber ein, die Ansprache nicht auf den Kandidaten abzustimmen. Und das obwohl sich Recruiter jahrelang selbst über unpassende oder ungenaue Anschreiben ärgern mussten.

Nun haben sich die Zeiten aber geändert: Inzwischen bewirbt sich der Arbeitgeber beim Arbeitnehmer. Und dabei sollte er genau das beherzigen, was er selbst vom Kandidaten erwarten würde. Dann klappt’s auch mit dem Sourcing! (Bild: © sdecoret/ Fotolia.com)


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Kategorien: Fachbeiträge

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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