Millenials: So rekrutiert man junge Talente

Millenials: So rekrutiert man junge Talente

Um das Recruiting von Millenials oder der so genannten Generation Y ranken sich viele Mythen. Die jungen Arbeitnehmer gelten als anspruchsvolle Zielgruppe. Doch ist das wirklich realistisch oder reden Arbeitgeber und Arbeitnehmer in grundlegenden Dingen einfach aneinander vorbei? Wir haben eine gefragt, die es wissen muss. Dr. Steffi Burkhart ist Jahrgang 1985 und gehört zur Generation Y. Sie ist professionelle Speakerin, Beraterin und Autorin zum Thema Generation Y im Beruf. Ein spritzig-launiges Interview. 

 

Wo tappen die Unternehmen häufig noch in Fettnäpfe?
Es ist wichtig, als Unternehmen die eigene Marke aktiv nach außen zu kommunizieren, echt und transparent – versprechen Sie nur das, was Sie tatsächlich halten können! – den Sinn des Unternehmens klar hervorzuheben und immer auch den Mehrwert für potenzielle Bewerber aufzeigen. Stichwort: Employee Value Proposition.

Junge Talente begeistern

Wie kann sich ein Arbeitgeber gegenüber den Millenials bestmöglich darstellen?
Die Basis einer erfolgreichen Außendarstellung als Arbeitgeber ist die Definition und Ausarbeitung einer Arbeitgebermarke. Haben Sie sich darüber noch keine oder nur wenige Gedanken gemacht, holen Sie sich hierzu Unterstützung bei einer externen Agentur ein! Finden Sie Antworten auf Fragen wie:

  • Was zeichnet Sie aus?
  • Was macht Sie besonders?
  • Wodurch heben Sie sich von Konkurrenzunternehmen ab?

Und dann? Welcher Schritt kommt als nächstes?
Und dann gilt es, genau diese Besonderheiten nach außen zu kommunizieren. Sie müssen sich sichtbar machen für Ihre Zielgruppe. Das machen vor allem kleine und mittlere Unternehmen bisher noch viel zu wenig.


Welche Rolle spielt dabei das mobile Internet? Eine Jugendstudie ergab, dass Millenials bis zu 4,5 Stunden am Tag mobil surfen. Das ist doch auch ein Einfallstor für Arbeitgeber, oder?
Immer wichtiger wird die Nutzungsmöglichkeit des mobilen Internets. Nicht nur, weil vor allem jüngere Menschen über ihr Smartphone mobil surfen, sondern insgesamt die mobile Nutzung des Internets in der Bevölkerung zunimmt.

Deshalb ist es wichtig, Karriereangebote für mobile Endgeräte zu optimieren, damit einem nicht so viele potenzielle Bewerber durch die Lappen gehen. Auch hier hakt es noch bei dem ein oder anderen Unternehmen.

Auf den Punkt gebracht:

  • Machen Sie sich sichtbar.
  • Seien Sie das beste digitale Schaufenster Ihrer Region oder Ihrer Branche.
  • Zeigen Sie online all Ihre Besonderheiten auf, die für den Bewerber von Interesse sein könnte.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Webauftritt an eine mobile Nutzung angepasst ist.
  • Beziehen Sie bei Ihren Überlegungen U30-Jährige mit ein, wenn Sie neue junge Mitarbeiter gewinnen wollen.

Eine interessante Studie zu potenziellen Fettnäpfen ist die Candidate Experience Studie 2014. Dort wird aufgezeigt, was Bewerber in einem Bewerbungsprozess stört und was ihnen wichtig ist.

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Arbeitgeber sollten die richtigen Weichen für Millenials stellen

Was erwarten Millenials bezogen auf die Karrierewebseite?
Im Netz ist alles bunt, voller Bilder, Videobeiträge und die Azubi-Generation (U20 Jährigen) hat sich mit Plattformen wie Youtube und Snapchart eine Parallel-Digital-Welt aufgebaut. Dort wird authentisch und auf Augenhöhe kommuniziert. Das sind wichtige Entwicklungen, die sich auch auf das Design, die Sprache und Aufbereitung der Inhalte Ihrer Karriereseite auswirken.

Was heißt das konkret?
Bewerber wollen Emotionen, Übersicht, Antworten auf all ihre Fragen, Transparenz, eine authentische Sprache und vor allem auch eine einfache Usability. Gute Beispiele hierzu sind Karriereseiten von Facebook, Ikea und der Bundeswehr in Deutschland.

Warum ausgerechnet diese? Was finden Millenials dort, was sie andernorts nicht finden?
Alle drei Karriereseiten stellen beispielsweise auch die Sinnfrage – Warum gibt es uns als Unternehmen? Was ist unser Anliegen? – in den Mittelpunkt. Auch das ist einer jungen Generation enorm wichtig.

Worauf Millenials wirklich Wert legen

Aber das ist noch nicht alles, worauf Millenials Wert legen, richtig?
Auch die Bereitstellung eines einfach nutzbaren Bewerbungsformulars ist wichtig. Auch hier sind junge Menschen sehr anspruchsvoll. Ist die Bearbeitung eines Online-Formulars zu mühsam und zeitaufwendig, verlieren Sie potenzielle Bewerber. Vor allem wenn ich mich über mein Smartphone schnell bei einem Unternehmen bewerben möchte, scheitern viele bisherige Formulare.

Deshalb wird in Fachkreisen aktuell auch über den One-Click Bewerbungsansatz diskutiert. Auch wenn dieser Ansatz sehr umstritten ist, ermöglicht er eine spontane Interessensbekundung. Und dann können Sie als Unternehmen bei Interesse den Kontakt zu der Person aufzusuchen – per E-Mail oder telefonisch.
Was sollten Unternehmen bei der Gestaltung von Online-Stellenanzeigen beachten?
Ganz häufig werden bei Online-Stellenanzeigen PDF-Dokumente offline oder online veröffentlicht, die inhaltlich dann wie folgt aufgebaut sind:

  1. Kurz was übers Unternehmen
  2. Ihre Aufgaben
  3. Ihr Profil,
  4. Was wir Ihnen bieten.

Und irgendwo rechts am Rand sind – wenn überhaupt – zwei, drei Bilder mit eingefügt. Was fehlt? Der Fokus auf den Sinn des Unternehmens auf den konkreten Mehrwert für den Bewerber: Welchen gesellschaftlichen Beitrag liefert das Unternehmen? Was bekommt man hier, was man woanders nicht bekommt? Wie sind die Mitarbeiter, das Betriebsklima und die Arbeitskultur?

Gibt es auch Recruiting Strategien jenseits der klassischen Stellenanzeige, mit denen Unternehmen bei Millenials punkten können?
Spannend und interessant im Ansatz können auch neue kreative Recruiting-Ansätze sein wie sie beispielsweise der Online-Reiseanbieter Urlaubsguru oder Mobile.de durchgeführt haben. Urlaubsguru beispielsweise hat einen Aufruf für „Das Praktikum deines Lebens“ gemacht.

Auf diesen Aufruf haben sich 5000 Kandidaten beworben. 100 davon kamen in die engere Auswahl und die Bewerber mussten sich vor einer Jury mit lustigen und pfiffigen Ideen behaupten. Im Praktikum selbst geht es dann um folgende Aufgaben: Reise-Schnäppchen testen, um die Welt traveln, Erlebnisberichte verfassen und mit der Redaktion zusammenarbeiten.

 
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Welche neuen Recruiting Strategien gibt es?

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Steffi Burkhart


Welche Fragen sollten Arbeitgeber sich selbst stellen, um ähnliche Prozesse auf die Beine zu stellen?
Können Sie auch ein spannendes Praktikum zur Verfügung stellen, wodurch Sie Ihre Sogwirkung auf junge Menschen steigern können? Trauen Sie sich, über den Tellerrand zu schauen! Mobile.de, ein Fahrzeugmarkt im Internet, hat potenzielle Bewerber aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, um das Unternehmen zukünftig als einen der Top-Arbeitgeber im E-Commerce-Bereich zu platzieren.

Welche Wirkung hat das auf Millenials?
Damit sammelt Mobile.de nicht nur viele kreative Ideen, sondern schafft eine enorme Strahlkraft auf junge Menschen: Die Website wirkt kreativ, cool und macht den Anschein, als könnte man dort im Unternehmen seine eigenen Ideen verwirklichen. Die besten Vorschläge wurden mit Preisgeldern belohnt.

Was würden sie anderen Arbeitgebern also raten?
Nehmen Sie sich ein Beispiel und schaffen Sie neue attraktive Jobprofile! Dadurch erhöhen Sie Ihre Strahlkraft als Unternehmen und heben sich von Mitbewerbern Ihrer Branche ab!

Ihr persönlicher Tipp zum Schluss?
Das Thema Recruiting ist durch das Internet hoch komplex geworden. Deshalb empfehle ich jedem Unternehmen, sich von einer Agentur beraten und helfen zu lassen. (Bilder: Steffi Burkhart)

 


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Kategorien: EXPERTEN IM INTERVIEW

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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