Künstliche Intelligenz: Führen Roboter bald die Interviews für uns?

Künstliche Intelligenz: Führen Roboter bald die Interviews für uns?

Künstliche Intelligenz: Bots und andere Formen der Automatisierung ebnen sich gerade ihren Weg in das traditionelle Personalwesen. Was können die HR Bots und wo ergeben sich Einsatzbereiche?

Was sind HR Bots und was können sie?

Bot, das ist eine Abkürzung für Robot. Dabei handelt es sich um automatisierte Software-Anwendungen, die sehr einfache bis hin zu sehr anspruchsvollen Aufgaben bearbeiten können. In anderen Bereichen gibt es sie schon eine Weile. Langsam kommen sie auch in HR an.

Vergleich HR-Software

Hier übernehmen sie Aufgaben bei der Personalsuche, der Einstellung von Bewerbern und der Verwaltung von Personaldaten. Sind sie die HR-Technologie der Zukunft? Eine endgültige Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht, aber die Chancen stehen gut, dass sich die Bots im Human Resources Management durchsetzen.

Künstliche Intelligenz: Einsatzbereiche für HR

Wie das konkret funktionieren könnte, zeigt der Early Adopter Crowded Inc., eine Startup-Sourcing-Plattform mit einem Sprach-Bot, der Software-Entwickler, die sich bei dem Unternehmen auf einen Job bewerben zu ihrem Lebenslauf befragt. Ihre Antworten trägt er jeweils passgenau in ein Bewerbungs-Formular ein. So müssen Bewerber diese lästige Aufgabe nicht selbst übernehmen und können sich auch von unterwegs aus bewerben.

Ein anderes Beispiel für den Einsatz eines Bots in HR kommt von der Overstock.com Inc, dem Erfinder der Roboterdame Mila. Sie nimmt als virtueller Call Center Agent Krankmeldungen von Mitarbeitern entgegen, die nicht zur Arbeit kommen können. Danach gibt sie nicht nur eine Information an die Manager aus, sie passt auch in Sekundenschnelle die Dienstpläne neu an.

Entlastung von Routinearbeiten

Die Beispiele zeigen: Bots können HR und Kandidaten erheblich von Routinarbeiten entlasten. Aber werden sie HR-Experten auch irgendwann die Jobs wegnehmen? Das steht nicht zu befürchten. Denn Wissensarbeit können Roboter bei weitem (noch) nicht so gut wie der Mensch erledigen. Sprich: Sie sind nicht so gut darin, eigene, komplexe Strategien zu entwickeln.

Aussterben werden aber mit Sicherheit die lästigen Routinen, die Tag für Tag bewältigt werden müssen. Insofern sollten HR-Verantwortliche ihre virtuellen Kollegen eher als Entlastung denn als Bedrohung begreifen.

Tatsächlich könnte es schon bald komplett botbasierte HR-Management-Suiten geben, die – wie in den genannten Beispielen – per Spracheingabe Formulare ausfüllen, mit anderen Systemen Daten austauschen, Lebenslaufdaten aufschnappen und in die Bewerberakte eintragen. All das kann von Bots erledigt werden und wird es in großen Teilen auch schon.

Die Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant weiter

Tendenz steigend. Denn die entsprechenden HR Software Produkte entwickeln sich rasant weiter. Befeuert wird das Tempo im Bereich der Künstlichen Intelligenz vor allem, seitdem die großen Technologie-Konzerne Sprachassistenten entwickeln, die sich für den Endverbraucher im Alltag als Helfer etablieren sollen: Alexa von Amazon, Apples Siri und Google Home.

Die digitalen persönlichen Assistenten haben den Konsum von Musik oder des Internet inzwischen komfortabler gemacht. Auch ist es ist kinderleicht, das Wetter zu überprüfen, den Kalender zu aktualisieren oder die Bots andere kleine Aufgaben ausführen zu lassen.

Welche Bots arbeiten im Human Resources Management?

Im Bereich des Personalmanagements sind es weniger diese bekannten Sprachassistenten, die derzeit eine erhebliche Popularität erfahren, sondern Slackbots, die von der Kommuniktionsplattform Slack angeboten werden. Anwender können die Tools zum Beispiel nutzen, um mit der bestehenden Talentmanagement- und HR-Software ihres Unternehmens zu interagieren. Ganz leicht per App.

Anstatt etwa einen Urlaubsantrag manuell auszufüllen, könnten Arbeitnehmer einfach dem Slackbot einen Befehl geben: „Ich möchte Urlaub beantragen“. Das funktioniert allerdings nicht über einen Sprachbefehl, sondern über ein Eingabefeld.

Die Eingabe löst eine Routine aus, in der der Slackbot Fragen über die Dauer der Abwesenheit stellt und die Informationen dann als Urlaubs-Antrag dem Zeitwirtschaftssystem der Personalabteilung zur Verfügung stellt. Optisch sieht das ganze aus wie ein Chat in einem Instant Messenger.

SAP ist auf den Zug der Künstlichen Intelligenz aufgesprungen

Und das ist erst der Anfang. SuccesFactors (SAP) testet aktuell Slackbots, darunter einen Bot für das Performance Review Modul seiner SuccessFactors HR Management Suite. SuccessFactors testet die Anwendung gerade an einer handvoll bestehender Kunden im Silicon Valley und einigen großen Einzelhändlern und erwartet, dass sie noch in diesem Jahr freigeben wird. Es soll Teil der nächsten Generation des Performance Managements sein. Was genau sie können wird, bleibt erstmal abzuwarten.

Allerdings sind Slackbots doch ziemlich minimiert in ihren Fähigkeiten. Anspruchsvollere Programme, die auf maschinellem Lernen aufgebaut sind, haben noch einmal größeres Potenzial, bestehende Talentmanagementprozesse zu verbessern. Diese Künstlichen Intelligenzen, die oft als Chatbots bezeichnet werden, sind an massive Informationsdatenbanken angeschlossen, die es ihnen ermöglichen, nicht nur mit einem Mitarbeiter oder Kandidaten in einem beschränkten Bereich zu interagieren, sondern von Anwendung zu Anwendung schlauer zu werden. Das ist dann wohl Künstliche Intelligenz in ihrer Vollendung.

Der Roboter, der Interviews führt

TextRecruit, ein im kalifornischen San Jose ansässiges Startup, ist gerade beim Beta-Test eines Recruiting-Chatbots namens Ari. Die Idee hinter Ari: Der Assistent könnte zunächst Job-Suchende interviewen und eine Vorauswahl treffen, bevor im nächsten Schritt ein echter Recruiter die Personalauswahl übernimmt. Der Chatbot wird von der künstlichen Intelligenz von IBM namens Watson gesteuert.

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Seinen Einstand im Berufsleben hat Watson längst hinter sich. Allerdings nicht als Robot Recruiter, sondern als Concierge in einem Hilton Hotel im amerikanischen Virginia. Hier stellt er Connie seine künstliche Intelligenz zur Verfügung. Connie ist ein lernfähiger humanoider Roboter. Ist sie ein erster Vorgeschmack dessen, was schon bald auch Kandidaten in ihrem ersten Jobinterview erwartet?

Das ist noch nicht ganz klar. Fest steht nur, dass große und kleine HR Software Hersteller in dem Thema offenkundig sehr viel Potential vermuten. Es dürfte also spannend werden. Das Warten hat aber bald schon ein Ende. Noch in diesem Jahr sollen Anwender erste Resultate und Software-Prototypen zu Gesicht bekommen. Wir werden darüber sicher bald in einem unserer HR Software Tests berichten! (Bild:  Mopic / Fotolia.com)

Kategorien: Fachbeiträge

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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