Mobile Bewerbung: Diese Innovationen könnten das Recruiting verändern

Mobile Bewerbung: Diese Innovationen könnten das Recruiting verändern

Die Zukunft ist mobil: Während Konsumenten bereits komfortabel über ihr Smartphone Schuhe kaufen, Aktionentransfers vornehmen oder Online-Banking machen, haben es Bewerber noch erheblich schwerer. Das Thema „mobile Bewerbung“ ist zwar im Recruiting angekommen, aber noch sind viele Bewerbungsverfahren nicht hinlänglich mobil optimiert. Dabei gibt es inzwischen verschiedene Anwendungen, die bei der Umstellung helfen würden.

Mobile Bewerbung: Bewerbung per Handy in jeder Lebenslage

Bewerber haben es nicht leicht. Während die meisten Stellenanzeigen inzwischen mobil optimiert und somit leicht über das Smartphone abrufbar sind, hakt es im Bewerbungsprozess nach wie vor an einer entscheidenden Stelle: Der Bewerbung selbst.

Vergleich HR-Software

Nichts läge näher, als sich nach der Sichtung einer interessanten Stellenanzeige auf dem Smartphone direkt auf diese zu bewerben. So wie es der Verbraucher  beispielsweise vom Online-Shopping kennt. Wer etwa ein Paar Schuhe entdeckt hat, das ihm gefällt, bestellt direkt – ohne Umwege. Der Gedanke, den Bestellprozess nur am Laptop abschließen zu können, wirkt geradezu absurd.

Doch genauso ist es in vielen Fällen bei der Bewerbung. Nur in seltenen Fällen öffnet sich nach dem Klick auf den Bewerben-Button ein leicht zu bedienendes User-Interface, in das auch unterwegs die wichtigsten Informationen eingetragen werden können. Den Rest – Zeugnisse, Arbeitsproben, CV und dergleichen – kann man ja bei Interesse des Recruiters nachsenden.

Warum die mobile Bewerbung  bestimmt kommt

Eigentlich wäre alles ganz einfach. Stattdessen treffen mobile Bewerber immer wieder auf sperrige Online-Formulare, die mobil so gut wie gar nicht auszufüllen sind. Selbst Bewerbern, die am Laptop sitzen, machen diese immer wieder zu schaffen, wie Wolfgang Brickwedde, Director, Institute for Competitive Recruiting (ICR), unlängst in einem Interview für unseren Blog monierte.

Er sagte: „Ein guter erster Schritt wäre es, wenn Personaler sich nur einmal bei sich selber bewerben würden. Sie würden erkennen, dass ihre Jobs bei Google nicht zu finden sind, dass sie auf ihrer Unternehmens-Homepage der Karrierebereich nicht oder nur schwer zu finden sind, dass die ausgeschriebenen Stellenanzeigen nicht gerade die spannendsten sind und dass das Bewerbungsformular viel zu lang ist und dann auch noch zweimal aus technischen Gründen abbricht – dann bekommt das Thema Candidate Experience ganz schnell eine höhere Bedeutung.“

Warum Bewerben mit dem Smartphone noch unbeliebt ist

Die jährliche Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg gibt Brickwedde Recht: Dieser zufolge geben 69,1 Prozent der Kandidaten an, dass sie die mobile Bewerbung am Smartphone als zu umständlich empfinden, 44,6 Prozent sehen das auch in Bezug auf die Nutzung des Tablets so.

Interessant ist aber, dass diese Werte im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Das könnte darauf hinweisen, dass Unternehmen bereits an der mobilen Bewerbung arbeiten. Gut so! Ihnen eröffnen sich durch den Einsatz mobiler Bewerbungsmethoden schließlich neue Möglichkeiten, Kandidaten anzusprechen und zu rekrutieren.

Kandidaten wollen sich mobil bewerben

Dass sich Kandidaten nachweislich mobil bewerben wollen – daran besteht nicht der leiseste Zweifel: Laut den Ergebnissen aus Bamberg zeigt der „direkte Vergleich zwischen der mobilen und der traditionellen Bewerbung (…), dass mit 46,9 Prozent fast die Hälfte der Kandidaten die mobile Bewerbung gegenüber der traditionellen bevorzugt“.

Es kommt aber noch dicker. Die „Mobile Recruiting Studie 2017″ von meinestadt.de in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain zeigt, dass Unternehmen mit ihrer abwartenden Haltung in Sachen mobile Bewerbung aktuell fast jeden zweiten Bewerber verprellen.

Kein Wunder! Immerhin schauen die Vertreter der Generation Y an einem durchschnittlichen Wochentag bis zu 80 Mal aufs Handy und sind in der Altersgruppe bis 29 Jahre bis zu vier Stunden am Tag im Netz. Gerade diese Digital Natives sind es gewöhnt, alles mobil und mit wenigen Klicks erledigen zu können.

Mobile Bewerbung: Keinen Bewerber verpassen

Aber auch Kandidaten ab Dreißig sind bis zu zweieinhalb Stunden täglich im WWW anzutreffen. So das Ergebnis einer Onlinestudie von ARD und ZDF. Das sind bis zu 245 Minuten, an denen Arbeitgeber potenzielle Talente rekrutieren könnten, würden sie ihnen zur Bewerbung den Wechsel von Smartphone an den Laptop ersparen.

Aus technischer Sicht wäre das auch längst möglich. Da wäre zum Beispiel die so genannte One-Click-Bewerbung. Diese ermöglicht es Kandidaten, ihr aktuelles Profil aus einem Karrierenetzwerk oder einer Lebenslaufdatenbank über einen Bewerben-Button in einer Stellenanzeige mit nur einem Klick in die Datenbank des Wunscharbeitgebers zu importieren oder per E-Mail zu versenden.

Daraus resultiert ein standardisiertes und beschleunigtes Bewerbungsverfahren. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Kandidat in das jeweilige Netzwerk eingeloggt ist. Ach ja, und natürlich sollte er sein Profil immer aktuell halten. Den Rest erledigt der Computer. Er liest die Daten aus und postet sie im Bewerbungsformular exakt an die Stelle, an die sie gehören. Danach stellt er dem Recruiter alles fein säuberlich in einer Bewerberakte zur Verfügung.

One Click Bewerbung: Bewerbung to go

Damit rückt die „Bewerbung to go“ in greifbare Nähe: Mobile Bewerbung – der Titel sagt es schon – diese funktioniert von überall und zu jedem Zeitpunkt. Und das ist gut so. Entdeckt ein Talent zum Beispiel in der U-Bahn ein interessantes Jobinserat, sollte es sich auch gleich darauf bewerben können. Denn wer weiß schon, ob es sich, wenn es Stunden später am Laptop sitzt, noch daran erinnert?

Inzwischen gibt es von HR Software Anbietern auch verschiedene Lösungen für die One Click Bewerbung, die gut funktionieren. Sie haben Tools in petto, die über eine Schnittstelle schnell und einfach an das hauseigene System angebunden werden können.

Zu ihnen gehören:

Mobile Bewerbung über Chatbots

Eine andere Möglichkeit stellt die Mobile Bewerbung über Chatbots dar. Diese neuartige Lösung wird von dem Berliner Startup RecruitingBot angeboten. Das Prinzip: Über einen Bewerben-Button in einer Stellenanzeige gelangt ein Talent  nicht wie gewohnt auf ein sperriges Online-Formular, sondern kommt in Kontakt mit einem Chatbot.

Ein Chatbot ist ein Roboter für Kommunikationsaufgaben. Diese Kommunikationsroboter oder Chatbots sind keine Maschinen aus Metall, sondern eine Software oder ein Dienst aus der Cloud. Verbraucher treffen zum Beispiel inzwischen regelmäßig auf Chatbots, wenn sie in einem Online-Shop oder Support-Forum Fragen stellen.

Verschiedene Websites bieten neben der klassischen FAQ-Liste zum Beispiel inzwischen ein interaktives Dialogfenster an, in das man seine Fragen wie in einen Messenger eingeben kann. Die Antworten kommen dann nicht von Mitarbeitern aus einem Call Center oder aus dem Help Desk, sondern werden von dem virtuellen Kommunikationsroboter, dem Chatbot, gegeben.

Chatbot leitet Bewerber durch die Bewerbung

Bei der Bewerbung eines Talents kann dieses Prinzip ebenfalls eingesetzt werden und funktioniert wie folgt: Der Bewerber beantwortet kurz und knapp relevante Fragen zu seinem Profil.

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Auch hier kommt der Chat rein optisch wie ein Austausch in einem Instant Messenger daher, sodass sich insbesondere junge Kandidaten sofort in einer vertrauten Online-Umgebung befinden, was die Hemmschwelle senkt.

Der Chatbot fragt dann nach und nach die folgenden Daten ab:

  • Name
  • Erfahrungen
  • Bisherige Arbeitgeber
  • Arbeitserfolge
  • Gehaltsvorstellungen
  • Starttermin
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse

Die Fragen sind individuell vom Unternehmen wählbar. Somit gelingt ein Bewerbungsprozess, der perfekt zum Unternehmen passt. Natürlich ist auch alles mobil optimiert. Am Ende bestätigt der Bewerber noch die Datenschutzbestimmung und das war es.

Das Besondere: Das Talent kann innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden die wichtigsten Daten zu seinem Profil eingeben, ohne diese wie in einem Anschreiben ausformulieren zu müssen.

Der Chatbot sammelt die Eingaben und bereitet sie für den Recruiter ansehnlich und strukturiert auf. Bei Interesse kann der Recruiter Kontakt aufnehmen. Hach, die mobile Bewerbung kann so einfach sein.(Bild: olle, Fotoia.com)

Kategorien: Fachbeiträge

Über den Autor

Sonja Dietz

Sonja Dietz, Jahrgang 1977, ist Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources. Sie erstellt Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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